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Bürger und Forschung Wegbereiter für Solarhauptstadt Konstanz

Ideenwettbewerb für Nutzungsmöglichkeiten von Sonnenenergie bringt mehr als 100 Anregungen - Jury prämiert


Konstanz hätte die Möglichkeiten, eine Solarhauptstadt in Deutschland zu werden. Davon sind mehr als 60 Bürgerinnen und Bürger der Stadt überzeugt, die gemeinsam mit Studierenden der HTWG ehrenamtlich in ihrer Freizeit über drei Monate nach möglichen, innovativen Einsatzmöglichkeiten für Solartechnik gesucht haben. Eine Jury hat die Ideen nun bewertet.

 

„Bürgerwerkstatt und Spitzenforschung"

„Bürgerwerkstatt und Spitzenforschung" ist das Teilprojekt der Initiative „ZukunftsWerkStadt" betitelt, in dem interessierte Bürger eingeladen waren, gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Stadtwerke Konstanz, der Industrie und der Hochschule Konstanz, Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) nach innovativen Einsatzmöglichkeiten der Solartechnik zu suchen. Mehr als 100 Ideen waren in einem zweitägigen Workshop im November entstanden, 20 davon haben die Bürger gemeinsam mit Studierenden in den vergangenen Wochen auf ihre Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit überprüft.

 

Nahezu alle ausgearbeiteten Projekte überzeugen sowohl durch Originalität als auch Einfachheit. Wieso sollten beispielsweise nicht große Parkplatzflächen mit Solartechnik besetzten Carports überdacht werden, schließlich erzeugen sie nicht nur Energie, sondern bieten den Autofahrern angenehmen Schatten und Schutz vor Regen und Schnee. Wieso sollten nicht Tomaten in Kleingärten mit einem Mini-Solar-Dach vor schädlicher Beregnung geschützt werden? Und wieso gibt es noch keine „Solarbäume oder -schirme", die gestalterisch ansprechend sind, in Strandbädern Ladestation für Handy und Laptop sein könnten und gleichzeitig Schatten spenden und nachts eine atmosphärische Beleuchtung schaffen?

Ziel des Workshops ist, dass ein Projekt tatsächlich realisiert wird. Moderator Wolfgang Himmel, Geschäftsführer des federführenden Büros Translake, war beim Blick auf die ausgearbeiteten Ideen sicher: „Es wird unter Investoren einen Wettbewerb darum geben, wer welches Projekt umsetzen darf." Prof. Dr. Thomas Stark, Mitglied der Jury und Leiter des Fachgebietes „Energieeffizientes Bauen" in der Fakultät Architektur und Gestaltung an der HTWG sagte den Workshopteilnehmern: „Sie sind alle Gewinner". Er drückte im Namen der Jury die Hoffnung aus, dass die Ideen der „Solarpioniere der dritten Generation" den Auftakt zu einer Entwicklung geben, so dass die Nutzung der Solarenergie zu einem Alleinstellungsmerkmal von Konstanz werde und die Stadt damit zu einem Vorbild.

 

Drei Projekte hat die Jury wegen ihrer Originalität, Übertragbarkeit und Signalwirkung herausgegriffen: Nach einem Konzept von Julia Fischer, Matthias Hipp, Reiner Hofer, Stefan Huberio und Melanie Walde könnten sämtliche Landungsstege architektonisch ansprechend mit Solartechnik überdacht werden. Anhand des Landungsstegs an der Mainau zeigten die Solarpioniere auf, dass eine solche Überdachung als Schutz vor Regen einen speziellen Willkommensgruß vermittelt.

 

Buswartehäuschen mit Solartechnik

In dieses Konzept passt auch das weitere prämierte Projekt: Die 116 Buswartehäuschen der Stadt könnten mit Solartechnik ausgestattet und damit architektonisch aufgewertet werden. Dies würde in der Solarstadt Konstanz einen hohen Wiedererkennungsgrad schaffen, lobte die Jury. Auch die Begegnungszone am Bahnhof könnte mit einem Bushalteplatz mit organisch gewelltem Solarzellendach bereichert werden, zeigten Stefan Wyss, Georg Friedrich Schmidt, Maria Munoz und Heinz Knoll.

Die Architektur-Studentinnen Hanna Baumann und Luljete Halili haben gemeinsam mit den Konstanzer Bürgern Dietmar Kohler, Lena Ulmer und Robert Straub vorgeschlagen, die Fassade des Telekom-Hochhauses mit Solartechnik auszustatten. Der 62 Meter hohe Turm biete nicht nur reichlich Fläche zur Energieproduktion, sondern auch der Einsatz der Solartechnik als Schattenspender den Nutzern des Hauses unmittelbare Vorteile. Zudem würde das Haus architektonisch aufgewertet.

Durchweg haben die „Solarpioniere" darauf geachtet, die Solartechnik ästhetisch ansprechend wie auch wirtschaftlich einzusetzen, lobte die Jury aus den Mitgliedern Dr. Johannes Junge, Referent der Geschäftsführung der Stadtwerke Konstanz, Dr. Kristian Peter, Geschäftsführer ISC (international solar energy research center), Bürgermeister Kurt Werner, Martin Wichmann, Leiter des Amts für Stadtplanung und Umwelt, Prof. Dr. Thomas Stark, und dem Solarexperten Titus Zahn.

 

Ideen werden vorgestellt

Wie geht es weiter? Die Ideen werden auf der Homepage der ZukunftsWerkStadt vorgestellt. Interessierte Investoren können sich mit den Projektentwicklern in Verbindung setzen. Große Hoffnungen setzen diese auf die Stadtwerke Konstanz und auf die Energia - Energiegenossenschaft Bodensee als Vorreiter.

 

„Der Workshop war beherrscht von einer höchst begeisternden und inspirierenden Werkstattatmosphäre", resümierte Dr. Kristian Peter. Bürgermeister Kurt Werner hob die fruchtbare Verbindung von Spitzenforschung und Bürgerschaft hervor. Die Bürger hätten Ortskenntnis und die Kreativität bewiesen, mögliche Standorte zu definieren.

Georg Friedrich Schmidt hat als Allensbacher Bürger an dem Workshop teilgenommen. Seine Motivation waren Neugier und Mitverantwortung. Er lobte die professionelle Aufbereitung des Projekts durch die HTWG und die ergiebige Arbeit mit Studierenden in der Gruppe. „Die Aufarbeitung des Themas an sich, aber speziell auch mit der Gruppe, hat mir selbst wieder einige Erkenntnisse gebracht, die ich sowohl im persönlichen wie auch im geschäftlichen Umfeld nutzen werde", fasste er das Projekt zusammen.

Die Stadtverwaltung sieht besondere Chancen in der Struktur der Stadt Konstanz, sich als eine „Solarhauptstadt" zu behaupten: „Konstanz ist neben Freiburg die Stadt, die man in China kennt", sagte Martin Wichmann mit Blick auf die Solarindustrie. Sein Bestreben ist es, einen „Flächenbrand" für die Nutzung der Sonnenenergie zu initiieren, um die Energiewende als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu stemmen.

 

Weitere Informationen:

Koordiniert wird das Projekt von Sven Simon, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät Architektur und Gestaltung der HTWG. Er ist erreichbar unter der Telefonnummer 07531/206-767 bzw. per E-Mail: sven.simon@htwg-konstanz.de

www.energie.ag.htwg-konstanz.de



Zuletzt aktualisiert am: 30.01.2013

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