Der Ratssaal war bis zum letzten Platz gefüllt: Rund 250 Personen aus dem öffentlichen Leben waren am 8. September der Einladung gefolgt, Oberbürgermeister Horst Frank nach 16 Jahren zu verabschieden. Die Gästeliste umfasste neben Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Landesverkehrsminister Winfried Hermann unter anderem auch den Bundestagsabgeordneten Andreas Jung, die Landtagsabgeordneten Siegfried Lehmann und Hans-Peter Storz sowie Bürgermeister und Oberbürgermeister aus dem gesamten Bundesgebiet.
In seiner Begrüßung der zahlreichen Gäste sprach Bürgermeister Claus Boldt von einer Zäsur in der jüngeren Geschichte der Stadt und dankte Frank für sein großes Engagement: „ Sie haben viel erreicht, auf das Sie stolz sein können. Sie haben die Möglichkeit gehabt, Ihre Heimatstadt ganz wesentlich zu gestalten. Für das Engagement und die Ergebnisse Ihrer Arbeit zollen wir und die gesamte Bürgerschaft Ihnen Respekt und Anerkennung", so Bürgermeister Boldt.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann erinnerte in seiner Rede an den Beginn der Amtszeit von OB Frank als bundesweit erster grüner Oberbürgermeister. Etliche Kritiker hätten damals den wirtschaftlichen Niedergang von Konstanz an die Wand gemalt, genau das Gegenteil sei aber eingetroffen. Konstanz gehe es gut, die Stadt habe sich zu einem Wissenschaftsstandort von internationalem Format entwickelt. Franks großes Thema sei die Nachhaltigkeit gewesen, hier habe er in vielen Bereichen Wesentliches erreicht: in der Haushaltspolitik, bei der sehr guten Betreuungsquote für unter Dreijährige, im Bereich der Bildung, der Energiepolitik oder der Mobilität. Der Ministerpräsident erwähnte auch das von Frank initiierte Stadtentwicklungsprogramm Zukunft Konstanz 2020 und sagte, Franks Leitgedanken sei zum Leitgedanken der Stadt geworden. „Du kannst auf ein gelungenes Werk zurückblicken", lobte Kretschmann und bekannte mit Blick auf die weiteren grünen Oberbürgermeister in Baden-Württemberg, dass er als grüner Ministerpräsident „auf den Schultern dieser Pioniere stehe".
Stadträtin Christiane Kreitmeier, die für den Gemeinderat sprach, erinnerte in ihren persönlich gehaltenen Abschiedsworten daran, wie schwierig es mitunter wäre, Mehrheiten im Gemeinderat zu finden. Dennoch sei es möglich gewesen, für wichtige Entscheidungen wie zum Beispiel die Landkreislösung für das Klinikum Mehrheiten zu finden. Auch Bürgerbeteiligungsprozesse wie bei der Gründung des Stadtmarketings , des Agenda-Prozesses oder beim Stadtentwicklungsprogramm seien wichtige Meilensteine in der Amtszeit von Horst Frank gewesen. Als Geschenk übergab sie ein Fahrrad.
„Was wäre die Universität ohne diese wunderbare Stadt, was wäre die Stadt ohne diese wunderbare Universität"? fragte Rektor Prof. Dr. Ulrich Rüdiger und wies auf die zahlreichen Bemühungen in den letzten Jahren hin, damit Stadt und Universität noch mehr zusammen finden konnten. Das Jahr der Wissenschaft, die Lange Nacht der Wissenschaft, die zahlreichen Veranstaltungen der Universität im Rathaus, die Zusammenarbeit bei den Wohnheimprojekten haben dazu beigetragen, dass die Universität in der Stadt angekommen sei. Als Anerkennung des Engagements von OB Frank überreichte Rektor Rüdiger ihm die Verdienstmedaille der Universität.
„Nie war er so wertvoll wie heute", leitete der Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach als Vertreter des Deutschen Städtetags sein Abschiedsworte für Horst Frank ein. Er wies darauf hin, wie die Arbeit Franks in der Außensicht anerkannt werde, und erwähnte dabei die Berichte in den überregionalen Zeitungen wie der FAZ und der Süddeutschen Zeitung. Innerhalb des Präsidiums des Städtetags sei die Meinung Franks ernst genommen und gehört worden, grüne Ideen hätten im Laufe der Jahre Eingang gefunden. Im Namen des Städtetags danke er Horst Frank als profiliertem Streiter für die Kommunalpolitik.
In seinen Abschiedsworten betonte Horst Frank, dass es ihm wichtig gewesen sei, Konstanz als eine Stadt für Jung und Alt und als eine Heimat für alle, unabhängig von ihrer Herkunft, zu entwickeln. Kommunalpolitik zeichne aus, dass sie nahe an den Menschen sei und man direkt und unmittelbar erfahren könne, was die Menschen umtreibt. Er dankte allen, die ihn in den zurückliegenden 16 Jahren unterstützt hatten, vor allem seinen Mitarbeitern in der Verwaltung, aber auch den Bürgerinnen und Bürgern, die sich für die Stadt engagierten. „Macht ist immer nur geliehen, ohne Menschen, die das mittragen, wäre das alles nicht möglich", so Frank in seinen Schlussworten. Und er zog das Resümee: „Es ist genau die richtige Zeit, aufzuhören".
Musikalisch begleitet wurde die Verabschiedung vom Jazzchor und den Schülern der Grundschule Litzelstetten, die mit dem Lied „Wir sind die Konstanzer Kinder" die zahlreichen Gäste begeisterten. Und wie zur Vereidigung vor 16 Jahren packte auch Jazz-Professor Bernd Konrad seine Instrumente aus und variierte das damals gespielte Stück „Langer Atem".
Ab 14 Uhr nutzen viele Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, beim Bürgerfest im Rathaushof mit den Fahnenschwingern und dem Fanfarenzug der Niederburg, dem Saxophon-Quartett der Musikschule und der Clown-Musikkapelle Schneckenburg Abschied von Oberbürgermeister Frank zu nehmen. Auch Petrus meinte es dabei gut mit dem scheidenden OB: waren die Sommersfeste im Rathaushof meist von einem Regenschauer begleitet, zeigte er sich dieses letzte Mal von seiner besten Seite, mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein.
Zuletzt aktualisiert am: 10.09.2012
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