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Ausstellung Rebecca Koellner: Der Boden, auf dem ich stehe

Der Boden, auf dem ich stehe. Installation und Fotos von Rebecca Koellner im Gewölbekeller im Kulturzentrum am Münster


Wie fremd sind uns unsere türkischen Mitbürger?

Rebecca Koellner lebt seit einigen Jahren als Künstlerin in Konstanz und besucht aus Neugier und Interesse öfters die dortige türkische Moschee. So fiel ihr auf, wie wenig wir über unsere türkischen Mitbewohner wissen, die uns doch täglich über den Weg laufen.

Für die Ausstellung im Gewölbekeller des Kulturzentrums am Münster kam sie auf die Idee, sich selber einmal als Türkin fotografisch zu inszenieren, indem sie auf unsere Klischeebilder im Kopf zurückgreift: einfache türkische Frauen mit Kopftuch oder selbstbewusst moderne in schickem Outfit, mit Lippenstift, lackierten Fingernägeln und hochhackigen Schuhen. So greift sie zugleich einen sozialen oder Generationskontrast auf, der unser Bild von Türkinnen prägt, und ergänzt diese Weiblichkeitsbilder durch Objekte, die wir mit der Türkei verbinden, beispielsweise mit der glatten Petersilie, die erst die Türken in großen Büschen bei uns heimisch gemacht haben.

Der Gewölbekeller ist Teil eines Hauses aus dem 13. Jahrhundert in Konstanz, der für Kunstausstellungen genutzt wird. Von früheren Ausstellungen auf den Wänden zurückgelassene Nägel nutzt Rebecca Koellner für eine willkürliche Fadenverspannung. Rote, verschieden dicke Fäden ziehen über die Wand, überschneiden einander, bilden Schlaufen und geometrische Formationen, eine Art Kartographie, die unruhige, tastende oder entschiedene Migrationsbewegungen assoziiert. Dieser Wandzeichnung auf dem rohen, unverputzten Gemäuer des Gewölberaums stellt sie Fotos von sich als Türkin gegenüber, ergänzt mit Aufnahmen von Gegenständen, die wir mit der türkischen Kultur verbinden. Alle Fotos sind freigestellt auf weißem Grund. Ein bildhauerisches Element kommt durch die Art der Montage hinzu: Statt mit Bilderrahmen für die Fotos zu operieren, wählt sie ein zusätzliches, dreidimensionales Zeichnungselement, rohe Holzleisten, die wie geöffnete Rahmen wirken und die gesamte Wandfläche dynamisch strukturieren. Auf den waagerechten Abschnitten sind die relativ kleinen Fotos paarweise und locker angeordnet. Hinter Glasscheiben montiert, lehnen sie leicht schräg auf den dicken Holzleisten.

Wie ist unser Verhältnis zu Fremden? Die Installation kann die Betrachter dazu einladen, über diese Frage nachzudenken.

06.-30.09.2012 im Kulturzentrum am Münster, Gewölbekeller, Vernissage am Mittwoch, 05.09.2012, 19 Uhr

Öffnungszeiten: Di - Fr 10.00 - 18.00 Uhr; Sa und So 10.00 - 17.00 Uhr

Kulturzentrum am Münster, Gewölbekeller, Wessenbergstraße 43, D - 78462 Konstanz, Tel. 0049 (0)7531 900 900, www.konstanz.de

 



Zuletzt aktualisiert am: 30.08.2012

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