Gesundheitstests per Smartphone, insulinproduzierende Körperzellen und künstliche Gehirne - diese und andere Innovationen von morgen aus Biotechnologie und Medizintechnik wurden beim bodenseeweiten Forum „UNI meets Pharma" des länderübergreifenden Netzwerks BioLAGO vorgestellt.
Höhepunkte waren Vorträge von zwei Schweizer Branchen- und Forschungsriesen: Hans-Peter Meyer von der Basler Lonza AG, dem Weltmarktführer in der Produktion pharmazeutischer Wirkstoffen sowie von Ernst Hafen, Professor und Gen-Forscher an der Züricher Hochschule (ETH). Die Vernetzung zwischen Zürich und Bodensee soll in Zukunft gestärkt werden.
„Wir stehen am Beginn einer neuen Revolution", erklärte Gastredner Professor Ernst Hafen von der Züricher Hochschule. Der Molekulargenetiker prophezeit, dass es durch die zunehmende Verknüpfung von Computern und modernen Biowissenschaften „nicht mehr Jahrzehnte" dauern würde, bis man Arzneimittel entwickeln könne, die auf das eigene Erbgut zugeschnitten sind. Hierzu sei es notwendig und sei Herausforderung zugleich große Mengen an vergleichbaren Patienten-Daten zu sammeln und zu analysieren, um die Wechselwirkung von Wirkstoffen sowie genetischen Voraussetzungen zu erkunden. Eine Schlüsselrolle fällt dabei der immer mehr ins Zentrum rückenden Forschungsdisziplin "Systembiologie" zu, bei der unter anderem Informatiker und Biologen natürliche Prozesse im Organismus in ihrer ganzen Vielfalt sowie ständigen genetischen Wechselwirkung untersuchen und die Effekte neuer Wirkstoffe am Computer simulieren. Welche Bedeutung die Systembiologie bereits hat, stellte Jens Selige von SystemsX.ch, der bislang größten öffentlichen Forschungsinitiative der Schweiz mit Fokus auf einem Themengebiet, vor. Der Verbund ist seit kurzem Mitglied im BioLAGO-Netzwerk.
Dass neue Erkenntnisse aus den Hochschullaboren erfolgreich in neue Medikamente umgemünzt werden, ist auch Aufgabe der Pharmaindustrie. Einen Blick in Therapiemöglichkeiten von morgen warf im Rahmen des halbtägigen Forums ebenfalls Hans-Peter Meyer, Vizepräsident der Biotechnologie-Sparte bei der Baseler Lonza AG, die unter anderem in zellbasierter Forschung weltweit führend ist. „Die Arzneimittelindustrie setzt auf biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe, einem der zur Zeit am schnellsten wachsenden Segmente in der Branche, unter anderem dank neuer Anwendungen mit monoklonalen Antikörpern", so Meyer. Monoklonale Antikörper werden von einem Klon gleicher Körperzellen produziert. Mit diesen lassen sich nicht nur Immunreaktionen auslösen, sie werden zudem in der Behandlung von Krebspatienten dazu genutzt, wichtige Stoffwechselsignale zu hemmen, die für das Wachstum von Krebszellen entscheidend sind. Abgerundet wurde das Programm durch einen Vortrag des Unternehmens LifeCodexx über einen neuen nicht-invasiven Pränataldiagnostiktest zur Erkennung der Trisomie 21, einer genetischen Störung, die typisch für das Down-Syndrom ist.
„Mit der Veranstaltung wollen wir nicht nur die Pharmaszene am Bodensee zusammenbringen, sondern diese auch mit überregionalen hochkarätigen Forschern und Top-Unternehmen verknüpfen. Betrachtet man die Tatsache, dass unsere Gastredner aus Zürich und Basel noch nie zuvor in Konstanz waren, freuen wir uns, hierbei teilweise ganz neue Verbindungen geschaffen zu haben", so Prof. Klaus P. Schäfer, Vorstandsvorsitzender des organisierenden Verbundes BioLAGO. „Die Branche der Lebenswissenschaften hier in der Region wird in Zukunft weiterhin vor allem durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt sein. Der Austausch unter diesen und mit den Hochschulen ist dabei ebenso wichtig wie der Austausch mit den ‘Großen‘ der Branche", sagte Stadtrat Jürgen Ruff bei seiner Begrüßungsrede für die Stadt Konstanz. Das Netzwerk BioLAGO bringt Forscher und Unternehmer zusammen und treibt die Umsetzung innovativer Ideen in marktfähige Produkte voran, um die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu stärken. Hierzu dient unter anderem die jährliche Austauschplattform „Uni meets Pharma".
Zuletzt aktualisiert am: 30.07.2012
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