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Erinnerung an das erste Pogrom gegen Juden vor 700 Jahren

Angekündigt war eine Stadtführung zu den Spuren der jüdischen Geschichte in Konstanz, doch zu Beginn konnte Oberbürgermeister Horst Frank mit einer ganz aktuellen Information aufwarten: die Stadtverwaltung hat die Baugenehmigung für die geplante neue Synagoge am Standort des ehemaligen Hotels Anker in der Sigismundstraße 8 erteilt und damit den Weg geebnet für einen symbolischen Spatenstich zum Bau des Gebäudes.


Jüdische Tradition in Konstanz

„Jüdische Kultur und jüdisches Leben gehören zu unserer Stadt. Mit unserem Engagement für die neue Synagoge möchten wir zeigen, dass diese Tradition nie erloschen ist. Die Nationalsozialisten haben zwar versucht sie zu zerstören, doch sie haben glücklicherweise nicht gesiegt", betonte der Oberbürgermeister bei der Begrüßung der zahlreichen Bürgerinnen und Bürger, die der Einladung für die Stadtführung zu den Spuren der jüdischen Geschichte in Konstanz gefolgt waren. Die Synagoge in der Sigismundstraße 19, die 1883 von der damaligen jüdischen Gemeinde in Konstanz eingeweiht wurde, hatten die Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 zerstört. Im Jahr 2003 stellte die Stadt der jüdischen Gemeinde ein Grundstück in der Näher des ursprünglichen Standorts in der Sigismundstraße bereit, auf dem eine neue Synagoge errichtet werden soll.

 

Die Anfänge im 13. Jahrhundert

Bei dem Rundgang durch die Altstadt vermittelte der Historiker Hans-Peter Metzger viel Wissenswertes zum jüdischen Leben in Konstanz und zur Geschichte der jüdischen Gemeinde im Lauf der Jahrhunderte. Die ältesten Spuren jüdischer Ansiedlung in Konstanz gehen auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Die jüdischen Einwohner  ließen sich zunächst in dem Viertel zwischen Salmannsweilergasse und  Münzgasse nieder. Doch bereits 1312, also vor 700 Jahren, war das erste Pogrom zu verzeichnen. In der Rosgartenstraße wurde bei Bauarbeiten ein Silberschatz gefunden, der auf das Ereignis hinweist.

 

Gründung der Israelitischen Gemeinde

Auch in späteren Jahren kam es immer wieder zu Ausschreitungen gegen Juden. Beim Pogrom von 1348/49 wurden die jüdischen Bürger im Pulverturm, den sie finanziert hatten, inhaftiert. Nachdem es ihnen vierhundert Jahre lang untersagt war, sich in Konstanz niederzulassen, beschloss der Rat im Jahr 1847 die Wiederaufnahme von Juden in die Stadt. 1866 wurde die  Israelitische Gemeinde gegründet, deren Mitgliederzahl bis 1933 beständig wuchs. Viele der zugewanderten Juden waren im Einzelhandel tätig, einige eröffneten Arzt- oder Anwaltspraxen. Vor allem in der Rosgartenstraße, auf der Marktstätte, der Hussenstraße und der Kreuzlinger Straße gründeten die jüdischen Bürger Geschäfte und prägten das Stadtbild mit dem Bau neuer Häuser.

 

Verfolgung im Nationalsozialismus

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten setzte auch in Konstanz die Verfolgung der Juden ein: angefangen vom ersten reichsweiten Boykott von Geschäften über die Reichspogromnacht und die Zerstörung der Synagoge bis hin zur Deportation der jüdischen Bürger nach Gurs und von dort in die Vernichtungslager im Osten.

 

Ein neuer Gebetssaal

Die ersten Juden, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Konstanz kamen, waren Überlebende aus den süddeutschen Konzentrationslagern. Sie feierten 1945 den ersten jüdischen Gottesdienst nach der Naziherrschaft. Erst Jahre später stand in Konstanz wieder ein fester Raum für religiöse Zusammenkünfte zur Verfügung. Die Grundlage dafür wurde von privater Seite durch Sigmund Nissenbaum geleistet. 1966 wurde der Gebetssaal, der fortan der Israelitischen Kultusgemeinde zur Verfügung stand, auf dem Platz der früheren Synagoge eingeweiht. Im Rahmen der Stadtführung stellten Benjamin Nissenbaum und Peter Stiefel den interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde vor und gaben Erläuterungen zur jüdischen Religion. Besichtigt werden konnten auch die Mikwe (Ritualbad) und die Dr.-Erich-Bloch-und Lebenheim-Bibliothek.



Zuletzt aktualisiert am: 14.05.2012

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